Türkei – so fing es an …

Wie meine Liebe zu Istanbul begann

Es hat verflixt lange gedauert, ehe Istanbul und ich uns erstmals begegneten. Eigentlich ist die Liebe mit drei Jahren sogar noch recht frisch. Zuvor sah ich andere Ecken der Türkei, wie Teile der Halbinsel Bodrum und Izmir. Aber irgendwie ahnte ich bereits vorher, dass es eine große Liebe werden würde.

Und so kam es auch. Sie begann bereits am ersten Abend kurz nach meiner Ankunft, als ich im Hinterhof meines Hostels in illustrer Runde mit Leuten aus der halben Welt musikalisch improvisierte. Sehr zum Ärger der Nachbarn, wie ich in den folgenden zehn Tagen noch feststellen durfte. 😉 Aber dazu später mehr. Erst einmal erkläre ich euch kurz, warum ich mit weit geöffnetem Herzen in diese wunderbare Stadt flog.

Fatih Akın beeinflusste meinen Blick

Meine gefühlte Verbindung zur Türkei nahm ihren Ursprung beim Verfassen meiner Magisterarbeit mit Anfang 30. Ich hatte nach diversen beruflichen Streifzügen noch einmal ein Studium aufgenommen und schrieb abschließend über drei Filme des „deutsch-türkischen“ Filmregisseurs, Drehbuchautors, Produzenten und Schauspielers Fatih Akın, dessen filmische Handschrift ich sehr schätze – u.a. deswegen, weil er dem Rezipienten immer die Wahl eigener Betrachtungsweise überlässt. Er bohrt keinen moralischen Zeigefinger in sein Auge, mit welcher Meinung er aus dem Film zu gehen hat.

Wer Akıns Filme kennt, weiß, dass er in diversen Sequenzen mit Originalton (Türkisch) und Untertitel arbeitet. Auch legt er stets großen Wert auf einen Soundtrack, der die Handlung mitträgt und eben auch türkische Songs enthält. Ich holte mir für die Filmanalyse zusätzliche Hilfe eines türkischen Freundes, um wirklich alles zu verstehen und verliebte mich in die Sprache – sowohl in ihre Melodie als auch ihre bildreiche Ausdrucksform.

Meine Arbeit trug den Obertitel-Titel „Heimat ist ein Zustand im Kopf“, ein Zitat von Akın aus einem Interview, und eben jener Gedanke trug auch meine Leitidee. Die Filme spielten sämtlich in Hamburg und Istanbul. Und ich nahm mit, dass es immer auf die eigene Perspektive ankommt, kulturelle Verschiedenheit als bereichernd oder beängstigend anzusehen. Meine dürfte klar sei. Aber ich hab auch nie die Anstrengung auf mich genommen, dauerhaft in einer anderen Kultur zu leben. Meine Ausgangslage ist somit bequem und nicht notwendiger Weise Stoff für lange Nächte.

Erste Begegnung mit einer Millionen-Metropole

Ich wusste ungefähr, wo der Bus am Sabiha Gökçen Flughafen abfahren würde, der mich zu meinem Stadtteil im asiatischen Teil Istanbuls bringt. Und da ich ein bisschen Türkisch gelernt hatte, klappte das Durchfragen recht gut. So erwischte ich auch einen richtigen Bus – nur leider den, der an jeder Gießkanne hält. Als ich endlich in Kadıköy ankam, erwarteten mich steile Stichstraßen. Schnaufend erreichte ich irgendwann mit meinem Gepäck das Hostel und: „Dein Zimmer ist im dritten Stock!“ war keine Ansage, die ich gerne hörte. Doch Hazal, der dieser Nachtdienst zufiel, griff beherzt zu, mir zu helfen.

Die gängigen Reiseführer empfehlen einem als allein reisende Frau, nicht zur Nachtzeit anzureisen. Das ist Blödsinn! Ich hab wirklich keinen Moment erlebt, in dem dieser Hinweis irgendeinen Sinn ergeben hätte.

Ich verbrachte die weitere Nacht damit, Musik zu machen, durch die Gassen Kadıköys zu schlendern, auf Treppenstufen sitzend über das Leben zu philosophieren und auf Motorhauben pennenden Katzen zu zuschauen, die mir an Laissefair um Längen voraus waren. Aber sie haben mich ganz gut angesteckt. Besonders gut funktionierte das, wenn ich von meinen Ausflügen von der europäischen Seite zurückkehrte. Der Trubel des touristisch geprägten Stadtteils perlte bereits bei der Überfahrt mit der Fähre von mir ab. Und spätestens in Kadıköy hatte ich wieder ein friedliches Lächeln im Gesicht.

Die schönsten Geschichten stammen von dort und bereiteten den Anfang für weitere Reisen …

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