1000 und eine Nacht in Schiraz

Nach unserem Kennenlernen in der pinken Moschee erweisen sich Mathematik-Professor Farid und seine Studentin Nazanin als liebenswerte Begleiter. Mit verheißungsvollen Blicken lotst uns Farid in eine angrenzende Gasse.

Seitengasse in Schiraz

Große Menschen in kleinen Gassen

Nur wenige hundert Meter später taucht im alten Gemäuer vor uns ein Laden auf, der wie eine Wunderhöhle durch die Zeiten hindurch wirkt. Ein alter Mann begrüßt uns herzlich an seinem Heilmittel-Stand, den er zu einer Art Museum gemacht hat. Um ihn herum hängen unzählige Fotos aus längst vergangenen Zeiten und nur all zu gerne reicht er uns seinen alten Ausweis, auf dem uns ein fescher junger Mann entgegen blickt. Er tippt mit seinem Finger auf das Bild, dann auf sich und strahlt stolz. Tatsächlich ist die Schönheit des Jünglings in seinem Gesicht verewigt. Voller Energie zeigt er zu diesem und jenem Bilderrahmen in seinem Sammelsurium. Nicht alles kann mir übersetzt werden, doch seine warmes Willkommen reicht eigentlich schon aus. Elaheh und ich sind gänzlich eingenommen von seinem strahlenden Wesen.

Zeitreisen mit einem persischen Verkäufer

Starke Frauen und ihre Anwesen

Anschließend setzen Farid und Nazanin uns mit dem Auto beim Zinat-al-Molk-Haus ab. Von hier an trennen sich unsere Wege vorerst. Die ursprüngliche Herrin des Hauses war die Tochter des vierten Ghavamolmolk, einer der persischen Führer. Anfang des 20ten Jahrhunderts erbaut, verzaubert das Anwesen durch seine Gartenanlage, die wunderschönen Spiegelmosaiken, Wandmalereien und kunstvollen Holzarbeiten.

Blick aus dem Zinat-al-Molk-Haus auf die Gartenanlage
Tür mit Intarsien im Zinat-al-Molk-Haus in Shiraz
Spiegelmosaik im Vorraum des Zinat-al-Molk-Hauses

Romantische Insel im winterlichen Iran

Von hier aus wollte uns eigentlich Farid wieder einsammeln. Wir warten eine ganze Weile, aber der Verkehr in Schiraz ist offenbar zu dicht. Also machen Elaheh und ich uns mit dem Taxi auf den Weg zum Eram Garten, dessen Entstehungsgeschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht.

Dichter Verkehr auf den Straßen von Shiraz …
… in den Elahe und ich mit dem Taxi eintauchen

Dort angekommen lockt uns erst einmal das Café in den lauschigen Innenhof, ehe wir den Garten ringsum erkunden.

Gemütliches Café im Eram Garten in Schiraz

Die Gartenanlage zählt zu den bekanntesten der Stadt. Ursprünglich den Fürsten und Königen gewidmet, dient sie heute der Universität von Schiraz als botanisches Domizil. Der majestätisch anmutende Pavillon in seiner Mitte kann zwar nicht von innen besichtigt werden, doch bereits von außen bietet er in dieser traumhaften Kulisse einen beeindruckenden Blickfang und Perspektiven, die den begeisterten Fotofan auf die Knie zwingt.

Pavillon im Eram Garten …
… ein Motiv nach dem anderem – das ist Schiraz!

Wir sind im tiefsten Winter in einem Paradies aus 1000 und einer Nacht gelandet.

Und während wir weiter durch die Idylle schlendern, meldet sich auch schon Farid zurück. Er möchte uns auf den Spuren der Dichter und Denker gerne leiten, damit wir auch kein sehenswertes Kleinod versäumen.

Persische Gastfreundschaft: Spontane Reiseführung durch Schiraz

Persiens Dichter und Denker

So besuchen wir Saadi und Hafis – genauer gesagt besuchen wir ihre Grabstätten, die vielen Persern als eine Art Pilgerstätte dient.

Auf dem Weg dorthin muss ich allerdings noch etwas diplomatisches Geschick beweisen, da ich den erwartungsvollen Blicken bei einer Einladung zu Eiscreme mit Rosenwasser nur mühsam standhalten kann (ich mag Parfum, aber ich esse es nicht). „Yes, it’s nice!”, flunkere ich eine höflich weiße Lüge und konzentriere mich auf meine Gesichtszüge.

Der Wind frischt auf, das gewöhnungsbedürftige Eis kühlt schön von innen … aber wie ihr sehen könnt: Uns geht’s gut!

Windige Besuch in der Parkanlage mit dem Grabmal Saadis

Das nächste Mal stelle ich euch Saadi und Hafis vor.

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