Die Welt, wie sie mir gefällt … was wäre wenn?

Die große Kaffeekanne rülpst mich an, als ich mir die zigste Kaffeeladung in den Becher pumpe. Charmantes Statement. Mein wachsendes Staunen bei der Durchsicht fünfter und sechster Korrekturschleifen diverser Texte verursacht bei mir auch Irritationen. Ich soll ehrlich statt „die Fahrt bei Sonnenuntergang“ durch „die Fahrt zum Sonnenuntergang“ ersetzen? In meinem Kopfkino passt sich der Fjord brav dem Kurs des Schiffes an und schwingt wie von Geisterhand konsequent gen Westen.

Schon eine schöne Vorstellung, dass sich die Welt so dreht wie es mir gefällt. Ich hätte da die ein oder andere Idee, was mir gut in den Kram passen würden.

Aktuell würde ich vermutlich als erstes meiner Wohnungsgenossenschaft abgewöhnen, mir erstmal planlos vier Handwerker in Folge zu schicken, um dann drei Wochen nach dem Malheur auf die grandiose Idee zu kommen, den empathisch geschicktesten Kollegen ans Telefon zu setzen: „Guten Tag, Sie hatten ja kürzlich einen Wasserschaden, vielleicht haben sie das ja mitbekommen.“ Ach was, nein!? Deswegen hat es hier also von der Decke geregnet, mieft seither übelst muffig, weil der Schimmel gedeiht – und mein aussichtsloser Kampf gegen rieselnden Putz, wenn Handwerker das Ausmaß eines geheimnisvollen Schadens untersuchten, ist damit dann auch endlich geklärt. Gott sei Dank! „Also, ich wollte Ihnen nur sagen, dass da nächste Woche jemand kommt, um sich das anzusehen.“ Sensationell. Das sind mal Neuigkeiten. „Also, ich kann Ihnen aber nicht sagen, ob eher zum Anfang oder zum Ende der Woche.“ Ich glaube, wir kennen die Antwort beide.

Vorsichtig weise ich darauf hin, dass ein sehr früher oder ganz später Termin von Vorteil wäre. „Das kann ich Ihnen nicht versprechen.“ Darauf bin ich vorbereitet und sage, dass ich dann auch nicht versprechen kann, da zu sein. Sein Einstieg war einfach schon so schlecht, dass ich eine leichte Bockigkeit nicht vermeiden kann, aber der Kollege versteht langsam: „Sie meinen, einen der frühesten oder spätesten Termine?“ Ich sehe, es baut sich eine zarte Verständnisebene auf. Die nutze ich, um zu erfragen, wer sich denn dieses Mal ein Bild von der Lage macht. „Da wäre zunächst einmal einer von der Wohnungsversicherung, dann jemand aus der Verwaltung, ein Sachverständiger …“ Ich steige gedanklich aus und freue mich maßlos auf das fachmännische Rudel in meiner engen Butze, das mich dieses Mal in geballter Form über das belehren wird, was bereits der erste Handwerker so sensibel zu vermitteln wusste: „Der ganze Scheiss muss raus! Das wird kein Spaß!“

Ja, das wäre nur eine Sache, die ich mir gerne schönwünschen würde von der Welt. Aber mir fällt da ganz sicher noch viel mehr ein.

Hier eine lockere Hitliste:

1. Arrogante Bahnrüpel in ihren persönlichen Alptraum schicken. Für ein genervt augenrollendes Weibchen letztens, das sich gegen die Aussteigenden hinein drängelte wäre z.B. ein Spiegel des Grauens schick. Der würde ihr jeden Morgen zeigen, wie hässlich das Wesen hinter dem perfekten Make-Up aussieht.

2. Schlechte Drehbücher unter Strafe stellen. „Geht es dir gut?“ kostet richtig, wenn sich das Gegenüber mit steiler Stirnfalte gerade noch so an der Tischkante festkrallen kann.

3. Zynisch „lustige“ Durchlauferhitzer so lange mit sich alleine in einen Raum setzen, bis sie merken, dass es relativ unwahrscheinlich ist, dass nur alle anderen dumm sind.

4. Das Wetter in Hamburg auf den Kopf stellen: Nette 28 Grad im Sommer bei Sonnenschein und blauer Himmel im Winter mit Schnee, der alles leise und schön macht, statt in grauer Matsche die Depressions-Rate hochzutreiben.

5. Den Wecker erfinden, der einen morgens liebevoll davon überzeugt, dass es jetzt das Größte überhaupt wäre, aufzustehen und unterstützend den Kaffee ans Bett bringt.

6. Intelligente Briefkästen, die dem Postboten wieder entgegen spucken, was man abends ganz sicher nicht rausfischen will.

Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Irgendwelche Ideen? 😉

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