Gemeinsame Gedankenreisen können ein Zuhause schaffen

Setzt mich in Istanbul aus oder verfrachtet mich nach Teheran – ich werde immer jemanden finden, der mir meine verlorene Orientierung zurück gibt. Das gleiche Prinzip greift allerdings auch in meiner Heimatstadt Hamburg, weil ich maximal verwirrtes Wesen wie ein verloren gegangener Lemming umher irre und mich in Details verliere: „Oh, guck mal da der dicke Vogel auf dem viel zu dünnen Ast! … äh, wo sind wir eigentlich gerade?“

Es gibt einfach Plätze, die ich ewig lange nicht besuchte und wenn zwei Stadtteile durch Grünanlagen miteinander verbunden sind, die nicht unbedingt zu meinem Hood gehören, schwingen meine Synapsen schon mal frei. Klar, mit etwas Hingucken hätte ich wohl Bescheid gewusst, aber ich hau meine Fragen ja gerne mal vor dem Nachdenken raus. Und so ließ ich mich von einem Syrer leiten, der gerade mal 1,5 Jahre hier lebt.

Willkommen in meinem Chaos-Köpfchen! 😉 Aber manchmal ist mein verträumtes Wesen gar nicht mal schlecht, weil ich so viel Kapazität frei habe für den Moment, um mich auf mein Gegenüber zu konzentrieren.

Einen sinnvollen Output kann dieses Kuddelmuddel auf meinem Hals allerdings auch produzieren. Zuletzt z.B. mit einem Artikel, den ich für eine syrische Journalistin aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte. Ich finde es spannend, auf diese Weise etwas in die Gedankenwelt von Menschen einzutauchen, die mit komplett anderen Alltagssorgen kämpfen als ich und so durch ihre Augen zu gucken. Der Kontakt entstand durch meinen Navigator unseres Feierabend-Spaziergangs, der selbst in Syrien als Journalist tätig war und nun eine Weiterbildung an der Hamburg Media School absolviert, um auch hier in seinem Beruf weiterarbeiten zu können.

Er gründete eine Netz-Zeitung namens Flüchtling-Magazin und konnte sogar schon den NDR für einen Beitrag gewinnen. Sein Ziel ist Kommunikation, um Barrieren zu senken und für gegenseitiges Verständnis zu sorgen. Wer hierher kommt, muss irgendwie seinen Weg finden, auch wirklich anzukommen. Und das gelingt am Besten über Austausch, vielleicht mal einer helfenden Hand, aber vor allem dadurch, sich angenommen zu fühlen. Der vielbeschworene Satz „Integration ist keine Einbahnstraße“ hat schon seine Daseinsberechtigung. Wer einfordert, darf auch gerne geben. Und sei es nur die Offenheit, sich auch für den Blickwinkel des Anderen zu interessieren.

In den Dialog zu treten, ist in so vielen Lebenslagen das wichtigste Puzzlestück für ein gelingendes Ganzes. Und genau das versucht Hussam. Nicht nur für sich, sondern eigentlich für uns alle – für jene unter uns, die hier neu Fuß fassen und jeden, der sich ein friedliches Menschenmiteinander wünscht.

So, wie ich mich auf Hussams Orientierungssinn verließ, können sich andere Menschen auf die Sichtweisen von Menschen einlassen, denen er durch seine Netz-Zeitung eine Stimme gibt und damit in einer fremden Umgebung beim Ankommen hilft.

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