Erster Abend in Esfahan im Touristen-Feeling

Persische Essenskultur

Der Besuch eines traditionellen Restaurants bedeutet im Iran vor allem, dass man in der Lage sein sollte über längere Zeit die Beine zu verknoten oder alternativ angemessene Sitzvarianten zu finden, die eine Blutzufuhr in den Beinen sichert. Wir sitzen auf erhöhten Bereichen, die ihrerseits mit Teppichen und Kissen ausgestattet sind. Vor uns werden Plastikfolien ausgebreitet, auf denen das Essen serviert wird. Als man mich als Touristin identifiziert, wird mir extra ein Messer gereicht, denn im Iran essen die Leute überwiegend mit Gabel und Löffel.

Die Begegnung mit anderen Deutschen

Je länger ich mich umsehe, desto mehr bekomme ich den Eindruck, dass das überwiegende Klientel des Restaurants zu dieser Jahreszeit Geschäftsleute sind, die ausländischen Besuch erwarten und schätzungsweise zur Saisonzeit Touristen anzieht. Vor uns wird ein Springbrunnen angeworfen, als eine Gruppe persischer Anzugträger die Räumlichkeiten begutachten und im Nebenraum füllt sich ein langer Tisch mit Leuten, bei denen ich beobachten kann, dass hier recht offenkundig deutsche Kunden ausgeführt werden. Eine Frau regt sich derart auf, weil ihr kein Platz freigehalten wurde, dass sich der erhitzte Teint ihres Gesichts ganz hervorragend dem Rot-Ton ihres umständlich gewickelten Kopftuchs angleicht. Ein Herr, der mit ihr zusammen eintrifft und ebenfalls keinen Platz an der langen Tafel bekommt, redet beruhigend auf das wetternde Wesen ein, während der Gastgeber schon leicht verzweifelt aus der Wäsche schaut. Wild gestikulierend lässt sie sich schließlich doch mit anderen Nachzüglern an einem weiteren Tisch nieder.

Ohne genau zu wissen, was da los ist, mutet ihr Aufstand aus der Entfernung unnötig heftig an, da eigentlich alle Anwesenden irritiert um sich blicken – zumal es keine reine Männer-Riege ist, die sie offenkundig ausschließt, was ich als Grund vielleicht noch hätte nachvollziehen könnte. Noch lange sehe ich sie im Hintergrund vor sich hin zetern und beneide ihre Tischnachbarn kein bisschen.

Touristische und schöne traditionelle Aspekte

Das Essen begeistert mich an diesem Ort nicht sonderlich. Vorweg gibt es eine Suppe, die mich eher an einen mäßig gewürzten Reste-Eintopf erinnert und die Hauptspeise besteht aus viel Reis, trockenem Fleisch sowie abgezählten Pommes, die unnötiger Weise in Soße gelegt wurden – umgekehrt hätte aus letzteren beiden Komponenten was werden können. Beim Hinausgehen kommen wir an einem geschmückten Weihnachtsbaum und zahlreich aufgestellten kleinen Flaggen vorbei, die wohl die Internationalität der Örtlichkeit untermauern sollen. Nachdrücklich in Erinnerung blieben mir allerdings die Zeilen über dem Ausgang:

“Khayam, wenn du von Wein angetrunken bist, sei froh. Wenn du mit einer schönen Freundin (schön wie der Mond) zusammen sitzt, sei froh. Denn das Ende der Welt ist das Ende von allem. Gleichsam bist du nicht, wann du bist. Daher sei froh, solange du lebst.”

Es ist ein persisches Gedicht, das mit schöner Melodie vertont wurde und der Dichter fängt jede Zeile mit seinem eigenen Namen an, da er es zu sich selbst spricht.

Basar in Esfahan bei Nacht

Wir streifen durch den nächtlichen Basar und werden zu einem Tee im nächsten Teppich-Geschäft eingeladen. Ich empfinde die Atmosphäre als schwer einschätzbar. Zwar werde ich freundlich empfangen, doch meine Anwesenheit zusammen mit zwei persischen Landsleuten, von denen die eine mit mir Deutsch spricht, scheint für Verwirrung zu sorgen. Auch bin ich einigermaßen erschöpft und vermutlich etwas angestrengt davon, immer nur eine Teilübersetzung des Gesprochenen zu erhaschen. Vorsichtshalber lächle ich, weiß aber selten, worum es geht. Daher erleichtert es mich, als wir weiterziehen.

Die trockene Kälte lässt mich schlottern, wir spazieren eindeutig durch Minusgrade. Doch die friedliche Schönheit des Platzes inmitten der Moscheen und des Bazars verzaubert zugleich.

Der Freund Elahehs führt uns schließlich noch in den Süßigkeitenladen eines Bekannten, in dem wir Prozente bekommen können. Ich darf alles Mögliche probieren und man ist wahnsinnig nett zu uns. Als ich eine typische persische Spezialität probiere, die sich klebrig in meinem Mund ausbreitet, muss ich mich sehr konzentrieren, meine Abscheu nicht zu zeigen. Unter Aufbietung aller Selbstkontrolle merke ich vorsichtig an, dass diese „wunderbare“ Mischung aus Karamell, Weingummi und Rosenwasser irgendwie nicht ganz mein Fall ist.

Einschlafen per Knopfdruck

Zurück im Hotel gibt uns Elahehs Freund in der Lobby noch Tipps für unseren weiteren Aufenthalt mit auf den Weg und dann ist meine Puste auch aufgebraucht. In unserem Zimmer ziehe ich erleichtert das Kopftuch ab und lasse mich aufs Bett fallen. Vor lauter Müdigkeit kurbelt sich unsere Verfassung noch einmal zur Albernheit auf, so dass wir uns vor Lachen schütteln, wie absurd sich manch eine Übersetzung vom Farsi ins Deutsche und umgekehrt auswirkt. Gleich zwei Mädchen, die erstmals zusammen übernachten dürfen, kuscheln wir uns kichernd in die Kissen und flüstern uns irgendwann eine gute Nacht zu …

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